{"id":5,"date":"2016-08-21T11:26:53","date_gmt":"2016-08-21T09:26:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cheminpetit.de\/wordpress\/?page_id=5"},"modified":"2016-08-21T11:26:53","modified_gmt":"2016-08-21T09:26:53","slug":"nachruf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/","title":{"rendered":"Hans Chemin Petit &#8211; Nachruf"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_252\" aria-describedby=\"caption-attachment-252\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-252\" src=\"http:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/home_01-204x300.jpg\" alt=\"Alternativ\" width=\"100%\" height=\"100%\" srcset=\"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/home_01-204x300.jpg 204w, https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/home_01.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-252\" class=\"wp-caption-text\"><strong>1966<\/strong><br \/>Foto: Ilse Buhs, Berlin<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"standard\">Hans Chemin-Petit, der im Alter von 79 Jahren verstarb, war der Berliner Hochschule der K\u00fcnste (der vormaligen Hochschule f\u00fcr Musik) seit seiner Studienzeit in den Jahren 1920-26 verbunden. Hier studierte er bei Hugo Becker Violoncello und bei Paul Juon Komposition,<br \/>\nund die Staatliche Akademie f\u00fcr Kirchen- und Schulmusik berief den Siebenundzwanzigj\u00e4hrigen bereits als Dozenten f\u00fcr Theorie und Komposition. Wenig sp\u00e4ter im Jahre 1936, wurde Chemin-Petit zum Professor f\u00fcr Theorie und Komposition an die Berliner Hochschule f\u00fcr Musik ernannt. Und vor allem als Theorielehrer, aber auch als Leiter des Kammerchores der Abteilung Schulmusik hat Chemin-Petit an der Hochschule bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1969 gearbeitet.<\/p>\n<p class=\"standard\">Hans Chemin-Petit wurde im Jahre 1902 als Sohn einer franz\u00f6sischen Emigranten-Familie von Musikenthusiasten in Potsdam geboren. Sein Vater war Dirigent und Komponist, seine Mutter S\u00e4ngerin. Fr\u00fcher Unterricht im Violoncellospiel und erste kompositorische Versuche als Sch\u00fcler beeinflu\u00dften seine Studienwahl. Und w\u00e4hrend seines Studiums bereits verdiente sich der junge Musiker sein erstes Geld in Berliner Caf\u00e9s am Ku-Damm und mit der musikalischen Untermalung von Stummfilmen in Off-Kurf\u00fcrstendamm Kinotheatern.<\/p>\n<p class=\"standard\">Die lebenslange, schwierige Balance zwischen seinen Aktivit\u00e4ten als Hochschullehrer, als Dirigent und als Komponist hat Hans Chemin-Petit mit staunenswerter Gelassenheit praktiziert. Als Lehrer war er von liebensw\u00fcrdiger Anteilnahme, wenn auch sein Habitus stets \u00fcber jene Nuancen von Noblesse verf\u00fcgte, die jede allzu private Ann\u00e4herung vermied und dem Gespr\u00e4ch wohltuende Sachbezogenheit abverlangte. Und selbst sp\u00e4ter, als wir beide Lehrende waren und ich als Musikkritiker im Parkett seine Auff\u00fchrungen beobachtete, blieb im freundschaftlich-kollegialen Gespr\u00e4ch jene Aura unverwechselbarer Selbstbezogenheit um ihn, die alle sch\u00f6pferischen Menschen pr\u00e4gt und auszeichnet.<\/p>\n<p class=\"standard\">Umso erstaunlicher, den Dirigenten Chemin-Petit zu erleben, den Dirigenten des Philharmonischen Chores vor allem, den er seit dem Kriegsjahr 1943 leitete oder am Pult des SOB oder anderer Berliner Orchester. Dann offenbarte sich der Espressivo-Musiker Chemin-Petit, ein Musiker, der noch romantisches Pathos zu vermitteln und wahrhaft zu gestalten vermochte: Und, staunenswert genug, noch in den letzten beiden Jahrzehnten, als jene neue fruchtbare Auseinandersetzung mit auff\u00fchrungspraktischen Problemen Alter Musik, der Renaissance und des Barock begann, hielten seine Interpretationen der Bachschen Johannes-Passion etwa oder der Matth\u00e4us-Passion stand: einfach darum, weil sie bruchlos ein Konzept realisierten, zum Sprechen brachten, das zugleich ein wesentliches St\u00fcck musikalischer romantischer Tradition im \u00f6ffentlichen Bewu\u00dftsein wachhielt.<\/p>\n<p class=\"standard\">Hans Chemin-Petits kompositorisches Oeuvre dagegen w\u00e4re als sp\u00e4tromantisch v\u00f6llig abwegig charakterisiert. In seinen Opern (\u00bbK\u00f6nig Nicolo\u00ab, 1959, \u00bbDie Kom\u00f6diantin\u00ab, 1965 und andere), in seinen Oratorien, Orchesterwerken und in seiner Kammermusik, ja selbst in seinen Chors\u00e4tzen bevorzugte Chemin-Petit eine kompositorische Handschrift, die eher zur Eleganz, zu einer neuen, neoromantischen Feingliedrigkeit tendierte. Und wie Strawinskys Oeuvre, so hat auch seine kompositorische Arbeit weder je auf tonale Gravitationen noch auf die Dominanz thematischer Charaktere verzichtet.<\/p>\n<p class=\"standard\">Hans Chemin-Petits Begabung zur Kommunikation, sein Sinn f\u00fcr Balance und Ausgleich, f\u00fchrte ihn in die Vorst\u00e4nde vieler Verb\u00e4nde. Er wurde Mitglied im Vorstand des Deutschen Komponistenverbandes und im Vorstand der Dramatiker-Union, sowie Vorsitzender im Werkausschu\u00df der GEMA und in anderen Vereinigungen. Die Berliner Akademie der K\u00fcnste ehrte ihn als ihr Mitglied, und in den Jahren 1968-1981 war Chemin-Petit Direktor der Abteilung Musik der Berliner Akademie der K\u00fcnste. Im Jahre 1968 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, und zehn Jahre sp\u00e4ter wurde Hans Chemin-Petit die \u00bbGoldene Nadel\u00ab der Dramatiker-Union verliehen.<\/p>\n<p class=\"standard\">Sein Tod betrauert nicht nur der Berliner Philharmonische Chor, dem er nahezu vierzig Jahre lang gedient hat. Denn Hans Chemin-Petit lebte jene gro\u00dfe Tradition musikalischer Romantik, deren Kenntnis und unmittelbare Umsetzung nun mehr und mehr abstirbt. Die Hochschule aber hat jenen selten gewordenen Hochschullehrer verloren, der die alte Tradition der Musikereinheit von Komponist und Interpret noch mit Leben zu f\u00fcllen vermochte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"standard\"><em>Wolfgang Burde <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Chemin-Petit, der im Alter von 79 Jahren verstarb, war der Berliner Hochschule der K\u00fcnste (der vormaligen Hochschule f\u00fcr Musik) seit seiner Studienzeit in den Jahren 1920-26 verbunden. 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