{"id":49,"date":"2016-08-21T11:57:49","date_gmt":"2016-08-21T09:57:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cheminpetit.de\/wordpress\/?page_id=49"},"modified":"2016-08-21T11:57:49","modified_gmt":"2016-08-21T09:57:49","slug":"chorleiter-und-chor","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/leben-und-wirken\/chorleiter-und-chor\/","title":{"rendered":"Chorleiter und Chor"},"content":{"rendered":"<p><!--\/raw--><br \/>\nAus schriftlichen \u00c4u\u00dferungen von Werner Oehlmann, Karl Rehberg, Oskar S\u00f6hngen und vielen anderen namhaften Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens geht \u00fcbereinstimmend eine hochsch\u00e4tzende Tendenz hervor, die kurz angerissen hier erscheint.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nAls Leiter des Philharmonischen Chores Berlin, den er im Kriegsjahr 1943 \u00fcbernahm und nach 1945 unter schwierigsten Bedingungen neu gr\u00fcndete, hat Hans Chemin-Petit eine gro\u00dfe Berliner Tradition \u00fcbernommen; er hat das Werk von Siegfried Ochs, dem Sch\u00f6pfer eines unakademischen, virtuos-subjektivistischen Chorgesangstils fortgesetzt und in eine ver\u00e4nderte Zeit hin\u00fcbergef\u00fchrt. Ihm ist es zu danken, da\u00df der Chor, seinen urspr\u00fcnglichen Charakter und seine Bedeutung bewahrend, wirken konnte. Der universale, Barock, Klassik, Romantik und Gegenwart umfassende Gestaltungswille, der den Gr\u00fcnder des Chores erf\u00fcllte, ist auch in Hans Chemin-Petit lebendig; seine beispielhaften Interpretationen von Beethovens Missa solemnis und Brahms\u2019 Deutschem Requiem sind g\u00fcltige Werte des Berliner Konzertsaals, in Auff\u00fchrungen von Chorwerken Blachers, Davids, Hindemiths und Furtw\u00e4nglers bezeugte sich seine Verbundenheit mit der musikalischen Gegenwart. Fast jede Saison stand eine Ur- oder Erstauff\u00fchrung auf dem Programm. So auch Werke von Bialas, Borris, Chemin-Petit, Driessler, Genzmer, Honegger, Orff, Pfitzner, Wagner-R\u00e9geny, H.W. Zimmermann. Die Erfolge waren beachtlich.\u2028Da\u00df Chemin-Petit den Philharmonischen Chor nach G\u00fcnther Ramins Weggang trotz der sich auft\u00fcrmenden Schwierigkeiten zusammenhielt, zeugt nicht nur von \u00fcberlegener Sachkenntnis in musikalischen Dingen, sondern vor allem von der starken Ausstrahlung einer zielstrebigen Pers\u00f6nlichkeit.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nChemin-Petit hat auch in chorerzieherischer Hinsicht, d.h. in der Erweiterung und Vertiefung des musikalischen Gemeinschaftserlebnisses Herausragendes geleistet. Was er anstrebte, war wohl aber die sachgerechte, den Intentionen des Komponisten sorgf\u00e4ltig folgende, nat\u00fcrlich auch von starken Emotionen durchpulste Wiedergabe der Werke in den Auff\u00fchrungen. Seine Interpretationen k\u00f6nnen als klanggewordene Pers\u00f6nlichkeit angesehen werden.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nSchon 1952 \u00e4u\u00dferte sich der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin Ernst Reuter: &#8222;Sehr geehrter Herr Professor! Ich habe das Bed\u00fcrfnis, Ihnen f\u00fcr den gestrigen Abend (Missa solemnis, d.Red.) aufrichtig und herzlich zu danken. Es war eine Auff\u00fchrung, die ich nicht vergessen werde. &#8211; Mit den verbindlichsten Empfehlungen, Ihr sehr ergebener Ernst Reuter.&#8220; Und weiter Ernst Reuter: &#8222;Eine der st\u00e4rksten dynamischen Kr\u00e4fte des Berliner Musiklebens und der Berliner Musikkultur war und ist der Philharmonische Chor.&#8220;<br \/>\n\u00a0<br \/>\n\u00dcber die interne Probenarbeit gibt die st\u00e4ndige Korrepititorin und Cembalistin des Ensembles, K\u00e4te Walter, die von 1946 bis 1981 mit Hans Chemin-Petit zusammengearbeitet hat, Auskunft: &#8222;Die Leitung eines Laienchores verlangt den ganzen Menschen, den K\u00fcnstler und P\u00e4dagogen. Dieser besonderen Sendung war sich Chemin-Petit bewu\u00dft. Als Leitgedanke wirkte sich der p\u00e4dagogische Aspekt auf alle Bereiche der Chorf\u00fchrung aus und kennzeichnet die individuelle Arbeitsweise. Der Chor wurde vor allem zur ganzen Unbefangenheit vitaler Freude am Singen herausgefordert. Dieses Frei-Singen leitete \u00fcber zur kontrollierten Phase des Singens, das den Charakter des Einstimmens bekam, des H\u00f6rens auf- und miteinander. Stimmbildung oder Stimmerziehung waren also in der musikalischen Kategorie angelegt, der Sensibilisierung des Ohres. [&#8230;] So wurde die Atemf\u00fchrung geschult und der S\u00e4nger bef\u00e4higt, den Atem im Spannungsgrad von Tempo und Ablauf \u00f6konomisch einzusetzen und zu f\u00fchren. Die Elemente des Arbeitsprogrammes erg\u00e4nzten sich, griffen ineinander und bildeten eine Einheit. [&#8230;] Wie sich denken l\u00e4\u00dft, verliefen die Proben aufgrund solcher Disposition in einer Atmosph\u00e4re der Ausgewogenheit von Spannung und Lockerheit, und Zuh\u00f6rer stellten bewundernd fest, da\u00df der Chor bei Probenende genauso frisch und unangestrengt wie zu Beginn sang und wirkte.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nBei Neueinstudierungen mit allen vorhersehbaren Schwierigkeiten beobachtete Chemin-Petit besonders aufmerksam seine S\u00e4nger. Er sah und h\u00f6rte, wenn der eine oder andere S\u00e4nger durch eine momentane Unsicherheit irritiert war oder, wie man es nannte, ausstieg. [&#8230;] Hier wurde dann Vertrauen geschaffen und Sicherheit vermittelt. Der Faktor Sicherheit spielte eine gro\u00dfe Rolle, nicht nur im Falle der absoluten Bew\u00e4ltigung des Notentextes, sondern auch in der Bem\u00fchung, die inhaltlichen Zusammenh\u00e4nge erfa\u00dfbar zu machen. In allen Probenphasen wurde das klangliche Volumen entwickelt &#8211; wie anfangs beschrieben, immer ermutigend. In dieser Geste der Ermutigung war bereits suggestiv enthalten, was Differenzierung betraf, Variabilit\u00e4t in Farbe und Dynamik und zugleich Beweglichkeit im Tempo.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nWenn es sich im Anfangsstadium einer Einstudierung vorwiegend um Fragen der Artikulation, Phrasierung und Atemf\u00fchrung handelte, dann erweiterten sich jetzt die Aufgaben und Anforderungen hinsichtlich der Begegnung mit dem Werk als Ganzes, seiner Struktur und formalen Gliederung. Hier nun spielte das Zusammenwirken von Solostimmen und Chor eine wesentliche Rolle, und aus diesem Grunde regte Hans Chemin-Petit die Stimmf\u00fchrer an, sich mit den Solopartien zu besch\u00e4ftigen. [&#8230;] Die Chorsolisten-Praxis bew\u00e4hrte sich ganz besonders bei Beethovens Missa solemnis. Von einem bestimmten Arbeitsstadium an entwickelten sich die Chorproben zu Ensembleproben, wodurch auch wieder eine Ann\u00e4herung im Verst\u00e4ndnis vom Werk und seinem gedanklichen Bau erreicht wurde.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nWas den Chor k\u00fcnstlerisch aber pr\u00e4gte, das war die Gestaltungskraft des Dirigenten Chemin-Petit. Mit suggestiver Eindringlichkeit, der zwingenden Geste, \u00fcbertrug er seine interpretatorische Vorstellung auf die Mitwirkenden. Es war offensichtlich, da\u00df es f\u00fcr die Ausdruckskraft des Chores keine Grenzen gab, da\u00df beispielsweise ein fff transparent und schwingend blieb, wie andererseits ein ppp Klang und Farbe behielt.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nUm welches Werk es sich auch handeln mochte, immer gelang Anschaulichkeit &#8211; Element der Darstellung und Gestaltung. Im Erleben des Konzertes wurde man sich einer Nachhaltigkeit bewu\u00dft, die &#8211; das darf man sagen &#8211; auch von der unirritierbaren, menschlich bestimmten Einstellung und Haltung Chemin-Petits ausging. Wirkungen dieser Art entziehen sich der Beschreibung oder Bewertung, &#8211; sie haben ihren Schl\u00fcssel in der Pers\u00f6nlichkeit, der Komponente des geistigen Ranges.&#8220;<br \/>\n\u00a0<br \/>\n<em>K\u00e4te Walter: Die Chemin-Petit-\u00c4ra des Philharmonischen Chores 1943-1981, in: Hans Chemin-Petit, 1902-1981, a.a.O.<\/em><\/p>\n<p><!--\/raw-->\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus schriftlichen \u00c4u\u00dferungen von Werner Oehlmann, Karl Rehberg, Oskar S\u00f6hngen und vielen anderen namhaften Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens geht \u00fcbereinstimmend eine hochsch\u00e4tzende Tendenz hervor, die kurz angerissen hier erscheint. \u00a0 Als Leiter des Philharmonischen Chores Berlin, den er im Kriegsjahr 1943 \u00fcbernahm und nach 1945 unter schwierigsten Bedingungen neu gr\u00fcndete, hat Hans Chemin-Petit eine gro\u00dfe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":45,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"templates\/page-ribbon.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49"}],"collection":[{"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/45"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cheminpetit.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}